REALTECH AG
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System-Umstellung ohne Downtime: Business as usual – auch beim Upgrade

Erschienen in der SAP Info 03/2006


Von Dr. Harald Sussek, REALTECH AG

Viele Unternehmen können es sich eigentlich nicht leisten, bei Ugrades oder Migrationen den Betrieb ihrer SAP-Anwendungen zu unterbrechen. Bislang allerdings mussten sie bei entsprechenden Projekten zumindest eine gewisse Ausfallzeit einkalkulieren. Sie profitieren nun von einem neuen Ugrade-Verfahren, das ohne Downtime auskommt.

Für Unternehmen haben Software-Ugrades und Migrationen in der Regel einen negativen Nebeneffekt: Während des Upgrades stehen die Anwendungen und somit auch die Geschäftsprozesse für einen gewissen Zeitraum, der Downtime, nicht zur Verfügung. Diese Unterbrechungen des laufenden Betriebs müssen IT-Verantwortliche berücksichtigen, wenn sie entsprechende Maßnahmen planen.

Wenn der Betrieb am Wochenende ruht und keine kritischen Prozesse aufrecht erhalten werden müssen, können Unternehmen ihre Upgrades und Migrationen in dieser Zeit durchführen. Im produzierenden Gewerbe allerdings, in der chemischen Industrie oder in Rohstoff fördernden Unternehmen, deren Betrieb rund um die Uhr läuft, sieht die Situation anders aus. Da die Unternehmensanwendung während der Downtime nicht zur Verfügung steht, bleiben kritische Prozesse liegen. Es lassen sich unter anderem weder Aufträge verbuchen, noch Material nachbestellen.

Im Fall von Just-in-time-Lieferungen, wie sie vor allem in der Automobilbranche üblich sind, führen solche Systemausfälle beim Zulieferer im schlimmsten Fall zum Produktionsstillstand im Werk des Herstellers – mit meist erheblichen finanziellen Verlusten. Dafür muss dann in der Regel der Zulieferer gerade stehen. In der Mineralölindustrie wiederum, lassen sich sprudelnde Erdölquellen eben nicht für einen bestimmten Zeitraum abschalten. Vor allem für diese Branchen wäre es also wünschenswert, Ugrades oder Migrationen im laufenden Betrieb vornehmen zu können.

Kritische Prozesse lahmgelegt


Doch bislang standen lediglich zwei Verfahren für Upgrades und Migrationen von SAP-R/3-Anwendungen zur Verfügung, bei denen die Geschäftsprozesse unterbrochen wurden: das SAP-Standard-Upgrade und ein zeitoptimiertes Verfahren der SAP.

Bei SAP-Standard-Upgrades betragen die Ausfallzeiten bis zu 24 Stunden – abhängig von der Art der Anwendung und der Größe der Datenbank. Aus diesem Grund bieten sich für eine Systemumstellung nur wenige sinnvolle Termine im Jahr an. Gleichzeitig besteht das Risiko einer verlängerten Downtime – etwa bei einem unplanmäßigem Verlauf des Ugrades oder bei einer unerwarteten Störung. Im schlimmsten Fall müsste ein Rollback vorgenommen, die Anwendung also in ihren ursprünglichen Zustand zurückgesetzt werden. Das käme einem Scheitern des gesamten Projekts gleich.

Um die Downtime zu verringern, hat SAP ein zeitoptimiertes Upgrade-Verfahren entwickelt, das „System Switch Upgrade“. Dabei erfolgen einige zeitaufwändige Upgrade-Schritte, wie Importphasen oder Data Dictionary- (DDIC) und Aktivierungsphasen einschließlich des Modifikationsabgleichs, bereits während des Produktivbetriebs, so dass sich die Ausfallzeit auf wenige Stunden verringert. Allerdings erfordert dieses Verfahren zusätzliche Systemressourcen und ist daher bei vielen Projekten nicht anwendbar.

Ausfallzeit gleich Null


Als bisher einziges SAP-Beratungshaus bietet die REALTECH AG mit „Zero Downtime“ ein Verfahren an, mit dem sich Upgrades und Migrationen durchführen lassen, ohne den Systembetrieb zu unterbrechen. Dies ermöglichen neue Technologien wie die SAP Exchange Infrastructure (SAP XI) oder der Interface Manager der REALTECH AG.

Vor dem Ugrade wird eine Kopie der produktiven SAP-Lösung erstellt, auf der die Anwender während der Umstellung weiterarbeiten. Anschließend lassen sich die Daten konsistent in das neue System einspielen und die Anwender wieder „zurückschalten“. Das produktive System ist lediglich für zwei kurze Momente nicht verfügbar – wenn die Anwender auf die Kopie und wieder zurück geleitet werden. Sie können ihre Arbeit sofort fortsetzen, wenn sie sich erneut anmelden.

Upgrades ohne Einschränkungen


Das Zero Downtime-Verfahren ist keine standardisierte Lösung, sondern wird als individuelles Projekt beim jeweiligen Unternehmen durchgeführt. Da der Produktivbetrieb weiter läuft, sind Zeitpunkt und Dauer des Upgrades oder der Migration jedoch unwesentlich.

Im Vorfeld erfolgt ein so genannter „Value Scan“, der die Aufwendungen für das Zero Downtime-Verfahren mit den Kosten vergleicht, die durch den Ausfall der Produktivlandschaft entstehen würden. Dabei identifizieren die Berater gemeinsam mit dem Kunden die kritischen Geschäftsprozesse – etwa solche, die zu einem Produktionsstillstand, führen können, wie beispielsweise im Supply Chain Management. Daraus lassen sich die SAP-Transaktionen ableiten, die während des Upgrades für zuvor definierte Anwender auf dem kopierten System verfügbar sein müssen. Hier gilt es, sorgfältig auszuwählen, da die Implementierung jeder einzelnen Transaktion einen hohen Entwicklungsaufwand erfordert.

Um ein reibungsloses Upgrade sicherzustellen, wird der komplette Ablauf des Verfahrens – vom Umschalten auf die Kopie, über die Datenaufzeichnung bis hin zum Zurückschalten auf das Original – im Vorfeld getestet und die Konsistenz der Daten in beiden Systemen geprüft.

Die Kopie des Produktiv-Systems erfolgt durch Klonen der Datenbank mit Hilfe von Storage-Techniken. Sind diese Techniken nicht verfügbar, greift man auf Schattendatenbanken zurück. Während des Upgrades oder der Migration führen die Anwender alle wichtigen Transaktionen auf der Systemkopie aus, wobei sämtliche Transaktionsdaten aufgezeichnet werden. Die temporäre Zwischenspeicherung dieser Daten in der Datenbank (Persistierung) und die konforme Abbildung auf den neuen Datenstrukturen (Mapping) erfolgen entweder über SAP XI oder mit Hilfe der REALTECH-Software Interface Manager IM/3. Während für SAP XI eine eigene Infrastruktur notwendig ist, wird IM/3 als SAP-Add-on in die Anwendung installiert und nutzt die Ressourcen der bestehenden Infrastruktur.

Beim Zurückschalten des Netzwerks auf das Originalsystem werden die aufgezeichneten Daten eingespielt. Die korrekte Verbuchung lässt sich durch Scheduling und umfangreiche Monitoring-Funktionen gewährleisten. Bei SAP XI führt die Runtime Workbench, beziehungsweise SAP Computing Center Management System (SAP CCMS) das Monitoring aus. Der REALTECH Interface Manager IM/3 wiederum nutzt hierfür einen integrierten Monitor. Die eingespielten aktuellen Daten lassen sich sofort bearbeiten.

Beim Zero Downtime-Verfahren sind nach der Systemoptimierung jederzeit die erforderlichen Nacharbeiten möglich, ohne den laufenden Betrieb zu stören. Dazu zählen das Erstellen des Upgrade-Leitfadens, der Import von neuen Programmen und das Customizing. Ausführliche und qualitative Tests der neuen Anwendung lassen sich durchführen, bevor die Anwender wieder zurückgeschaltet werden.

Zahlreiche Umstellungen stehen an


Nach Ergebnissen aktueller Studien von RAAD-Consult planen knapp 70 Prozent der SAP-Kunden im Jahr 2006 Upgrades ihrer SAP-Anwendungen. Die Vorbereitung dieser Maßnahmen fällt Unternehmen umso leichter, wenn die kritischen Geschäftsprozesse auch während der Umstellung verfügbar sind. Davon profitieren vor allem Betriebe, die rund um die Uhr tätig sind und bei entsprechenden Projekten bislang stets finanzielle Auswirkungen berücksichtigen mussten.