Von Chris Kohlsdorf, REALTECH AG
Open Source ist für Enso Energie Sachsen Ost kein Fremdwort mehr. Der Dresdner Energiedienstleister arbeitet seit 2003 mit Linux-Betriebssystemen. Nun hat er seine SAP-Umgebung von SUSE zLinux auf SUSE Linux Enterprise Server 9.0 mit AMD-Opteron-Prozessoren und MaxDB-Datenbank migriert. Dank der neuen Plattform profitiert das Unternehmen von leistungsfähigen und hochverfügbaren Anwendungen – bei deutlich geringeren IT-Kosten.
Lange Antwortzeiten von IT-Systemen sind nicht nur lästig, sondern bremsen auch die Produktivität von Unternehmen. Daher sind performante, hochverfügbare Lösungen unerlässlich. Dies gilt auch für den Energieversorger Enso Energie Sachsen Ost GmbH in Dresden. Die Firmengruppe, die Anfang 2006 aus dem Zusammenschluss der Enso Strom AG und der Enso Erdgas GmbH entstand, beliefert mehr als eine halbe Million Kunden im Raum Ostsachsen mit Strom, Gas, Wasser, Wärme und energienahen Dienstleistungen, etwa Abrechnungsservices, Services im Zählerwesen oder zur Energieoptimierung.
Für die Abrechnung und Fakturierung von Klein- und Großkunden sowie für das Zählerwesen und Vertragskontokurrent nutzt der Energieversorger SAP R/3 4.6C, im Jahr 2001 erweiterte er seine Installation um die SAP-Branchenlösung für Versorgungsunternehmen (ehemals: SAP IS-U). Verkaufsstatistiken, Hochrechnungen sowie konsolidierte Berichte der Monats- und Jahresabschlüsse erstellt Enso mit SAP Business Informationen Warehouse 3.5 (SAP BW).
Der Energieversorger betreibt eine Systemlandschaft mit sechs SAP-R/3-Linien – also die Kombination aus jeweils einem Entwicklungs-, einem Qualitätssicherungs- und einem Produktivsystem –, sowie einer SAP-BW-Linie. Seit Anfang 2003 lief die Unternehmenssoftware auf einer SUSE zLinux-390-Großrechner-Architektur mit DB2-Datenbank. Mit zunehmendem Geschäftsaufkommen stieß die Plattform allerdings bei bestimmten Arbeiten an ihre Grenzen, was zu langen Antwortzeiten führte. Dies galt beispielsweise für Hochrechnungs- und Statistikläufe bei Abfragen oder Pflegeaktionen mit sehr vielen Kundendaten, sowie Mandantenkopien oder Läufen zur Zusammenführung von Geschäftspartnern. Problematisch waren die langen Laufzeiten vor allem bei den Turnusabrechnungen von Privatkunden in der SAP-Branchenlösung, die teilweise bis zu 13 Stunden dauerten. Dann reichte die Zeit für die nächtliche Batchverarbeitung nicht aus, um die Daten vor dem Dialogbeginn am nächsten Morgen um sieben Uhr zur Verfügung zu stellen und Enso konnte nicht rechtzeitig mit der Dialogarbeit beginnen. Aus diesem Grund musste das Unternehmen einige Batchverarbeitungen auf das Wochenende verlegen. Die Arbeit im Dialog litt an einigen Tagen ebenfalls unter der mangelnden Performance.
Statt in zusätzliche Hardware der bestehenden Architektur zu investieren beschloss der Energieversorger, seine 19 SAP-Systeme auf eine neue 64-Bit-Linux-Plattform zu migrieren. Damit wollte das Unternehmen die Grundlage für geplante Releasewechsel der SAP-Lösungen schaffen. So ist für 2006/2007 der Upgrade auf mySAP ERP geplant. Leistungsfähigere Server kommen darüber hinaus auch den notwendigen Erweiterungen an der SAP-Branchenlösung zugute, die sich durch das Energiewirtschaftsgesetz ergeben. Dazu zählt etwa der Umstieg auf das so genannte Zwei-Mandanten-Modell, um die Bereiche „Netz“ und „Vertrieb“ zu trennen. Und schließlich senkt der Wechsel von Großrechner-Architektur auf Standard-Server die Hardware-Kosten.
Erfahrung aus 350 Migrationsprojekten im Team
Im Frühjahr 2005 fiel der Startschuss für das Projekt. Als Beratungs- und Migrationspartner hatte Enso den SAP-Technologiespezialisten Realtech ins Team geholt. Für den Walldorfer Dienstleister sprachen unter anderem dessen Erfahrung aus rund 350 Migrationsprojekten sowie das Know-how im Bereich der Open-Source-Software: Realtech ist Mitgründer des SAP Linux Labs und engagiert sich kontinuierlich in dieser Expertenrunde.
Gemeinsam mit dem Beratungspartner stellte Enso die neue Plattform zusammen. Da der Energieversorger mit SUSE zLinux (SUSE Enterprise Server 8.0) grundsätzlich gute Erfahrungen gemacht hatte, lag die Entscheidung nahe, auf der neuen Hardware – die Wahl fiel auf Hardware aus der HP Proliant Serie basierend auf x86_64 Architektur - SUSE Linux Enterprise Server 9.0 einzusetzen. Die Server wurden mit AMD-Opteron-Prozessoren ausgestattet, die Enso durch ihr günstiges Preis-Leistungsverhältnis überzeugten. Bei der Datenbank entschied sich das Unternehmen für die MaxDB von MySQL, die sich sehr gut für den Einsatz bei kleinen und mittelgroßen SAP-Systemen eignet. Gleichzeitig bot MaxDB im Vergleich zu anderen Datenbanksystemen spürbare Kostenvorteile. Dank der einfachen, wartungsarmen und auf SAP abgestimmten Betriebskonzepte entsteht beispielsweise ein geringerer Betreuungsaufwand.
Hochverfügbarkeit durch Virtualisierung
Da Realtech kurz zuvor an der Validierung und Freigabe von SUSE Linux x86_64 auf AMD-Opteron-Basis durch SAP mitgewirkt hatte, war der Partner bestens mit der Zielplattform vertraut. Dies kam Enso unter anderem bei der Frage zugute, wie sich ein kostengünstiges Hochverfügbarkeitskonzept ohne komplexe Clustersysteme realisieren ließe. Die Lösung bestand in der Virtualisierung der Applikation und der Datenbank. Dabei werden die Anwendungen zum Starten oder Stoppen durch virtuelle Hostnamen angesprochen und lassen sich dadurch physikalisch vom Server unabhängig behandeln. Die Virtualisierung hat den Vorteil, dass die Applikationen – etwa bei einem Ausfall oder nicht ausreichender Leistungsfähigkeit der Hardware – mit sämtlichen Daten auf einen anderen Server verschoben werden können. Dies steigert die Systemverfügbarkeit und verringert den administrativen Aufwand sowie die Downtimes. Das Migrationsteam erstellte die notwendigen Skripte, um SAP-Anwendungen auf einem Server herunterzufahren, die gesamten damit verbundenen Ressourcen auf einen anderen Server zu verschieben und dort neu zu starten.
Reibungslose Umstellung
Die Migration verlief nahezu reibungslos innerhalb des geplanten Zeitrahmens. Zwischen Oktober 2005 und März 2006 standen dafür jeweils die Wochenenden zur Verfügung. Das Team exportierte bei jeder einzelnen Anwendung die Datenbank auf die Quellplattform, installierte die SAP-Lösung auf der Zielplattform und importierte die Datenbank. Bei einem SAP-System musste die Migration aufgrund eines Fehlers im Betriebssystem wiederholt werden. Bei den kleineren Systemen mit einer Datenbankgröße bis zu 100 Gigabyte (GB) erfolgte der Plattformwechsel an jeweils einem Wochenende – einschließlich der Nachbereitung, also etwa Backup, Anpassung von Schnittstellen und Konfiguration des Transportsystems.
Beim größten SAP-System, dessen Datenbank ein Gesamtvolumen von 900 GB beanspruchte, reichte die Zeit an dem für die Migration zur Verfügung stehenden Wochenende allerdings nicht aus. Daher hatte das Projektteam bereits im Voraus eine verlängerte Downtime mit den Anwendern vereinbart. Betroffen waren die Mitarbeiter in sämtlichen kaufmännischen und technischen Abteilungen der Enso Strom AG, die auch am darauffolgenden Montag auf ihre SAP-Anwendung verzichten mussten. Sie konnten in dieser Zeit aber lesend auf den alten Datenbestand zugreifen.
Alle Anforderungen erfüllt
Nach Abschluss der Migrationen im April 2006 profitiert der Energieversorger bereits direkt von den Vorteilen der neuen Plattform: Obwohl sich mehrere SAP-Systeme einen Server teilen, fallen die Antwortzeiten sowohl im Dialog als auch in der Batchverarbeitung sehr gut aus. Die absoluten Laufzeiten in der Batchverarbeitung haben sich um bis zu 50 Prozent verringert.
Das Virtualisierungskonzept sichert Enso eine hohe Systemverfügbarkeit bei überschaubaren Kosten. Die Linux-Funktionalität für die Wiederherstellung (Recovery) gewährleistet bei Ausfällen, dass die Anwendungen in kurzer Zeit wieder verfügbar sind. Schnellere Entwicklungs- und Qualitätssicherungssysteme erleichtern die Durchführung von Testläufen sowie von Mandanten- und Systemkopien. An den Umgang mit MaxDB haben sich die Mitarbeiter der SAP-Basis ebenfalls rasch gewöhnt, zumal sich die neue Datenbank deutlich einfacher verwalten lässt.
Enso ist mit dem Projekt durchweg zufrieden. Insgesamt verringert die neue Plattform mit ihrer Kombination aus SUSE Linux, MaxDB und AMD Opteron-Prozessorarchitektur die IT-Kosten erheblich. Vor allem durch den Wechsel auf Standard-Server sind die Hardware-Investitionen und der Aufwand für Wartung und Betreuung der Systemlandschaft gesunken. Entsprechend positiv ist das Fazit von Dirk Erler, Fachgruppenleiter Systemadministration bei Enso: „Mit der neuen Lösung unter Linux haben wir unsere IT-Kosten gesenkt und gleichzeitig ein stabiles und optimiertes SAP-System erhalten.“



