REALTECH AG
Fachbeiträge<br />

Der SAP Beratermarkt wird sich stark verändern

Erschienen in der Sapport 07/2006


Interview mit Johannes Lang, Geschäftsführer der REALTECH AG

Die sich rasch verändernde IT-Welt stellt auch neue Herausforderungen an IT-Dienstleister. Welches sind aus Ihrer Sicht die gravierendsten Veränderungen der letzten Zeit, die es für Dienstleister zu bewältigen gab, und wie sieht hier die Antwort von REALTECH aus?
Der SAP Beratermarkt wird sich auch nach unserer Einschätzung stark verändern. Vernetzte Systeme, die Integration von Prozessen sowie das Verschmelzen von Anwendung und Technologie werden in Zukunft im Fokus der Betrachtung stehen.
Wir gehen davon aus, dass sich in den kommenden Jahren nur diejenigen behaupten können, die über die dafür notwendige Integrationskompetenz verfügen. Das bedeutet, dass sich viele Beratungs-Unternehmen neu ausrichten müssen. Eine Neuausrichtung, die mit deutlichen Investitionen in Beratungs-Know-how und neue Beratungsmethodiken verbunden sind. Einen Weg, den auch wir bereits eingeschlagen haben. Stand heute sind bereits 70% unserer Berater SAP NetWeaver-zertifiziert. Umgerechnet bedeutet das, dass wir bisher über eine Millionen Euro investiert haben.

„SAP NetWeaver“ steht nicht nur bei SAP im Mittelpunkt ihrer Strategie sondern auch bei REALTECH. Warum forcieren Sie gerade dieses Integrationsthema so stark?
SAP NetWeaver ist das Thema für die Zukunft! Mittelfristig werden die Kunden der SAP sich mit dem Thema auseinandersetzen, denn nur so können sie wettbewerbsfähig bleiben und den größten Nutzen aus ihren IT-Systemen ziehen.
Dies ist der Grund, warum wir uns bereits seit mehreren Jahren auf dieses Themengebiet spezialisiert haben. Unsere Kunden erfahren genau, welche Schritte für eine erfolgreiche Einführung von SAP NetWeaver notwendig sind. Dafür haben wir ein „4-Phasen Modell“ entwickelt, das sich mit der Vorbereitung auf SAP NetWeaver beschäftigt.

Welches sind die wichtigsten Aspekte, auf die ein Unternehmen bei der Einführung von SAP NetWeaver achten sollte?
Ein Projekt zur Einführung von SAP NetWeaver beginnt bei uns bereits in der Vorbereitungsphase. Hier werden entscheidende Grundsteine für den Erfolg des Projektes gelegt.
In erster Linie gilt es in dieser Phase den Business-Nutzen für das Unternehmen transparent darzustellen. Nur wenn dies gelingt, sind Investitionen in SAP NetWeaver sinnvoll. Schnellen Business-Nutzen erzielt ein Unternehmen nur dann, wenn es einzelne Anwendungsfälle identifizieren kann, die sich mit SAP NetWeaver besser umsetzen lassen, als mit den traditionellen SAP-Technologien.
Bei dieser Vorgehensweise müssen auch die Auswirkungen auf die gesamte IT-Organisation betrachtet werden.
Aus den so gewonnenen Erkenntnissen lassen sich bestimmte Teilprojekte ableiten, die eine schrittweise Einführung von SAP NetWeaver zulassen. Durch die Einführung in kleinen abgegrenzten Schritten lässt sich das Investitionsrisiko minimieren. Voraussetzung ist jedoch immer eine konsolidierte IT-Architektur, die durch eine entsprechende Vorbereitungsphase erreicht wird.
Dass wir mit diesen Annahmen richtig liegen, zeigen uns Erfahrungen, die wir in unseren SAP NetWeaver-Projekten mit Kunden gemacht haben.

Sie sprachen gerade die Konsolidierung von IT-Architekturen als Vorbereitung auf SAP NetWeaver an. Was genau verstehen sie darunter?
Darunter verstehen wir die Konsolidierung der IT, die zu einer harmonisierten IT-Landschaft führt. Das wiederum wird die Einführung von SAP NetWeaver erleichtern.
Auch gilt zu beachten, dass noch sehr viele Unternehmen auf „Nicht-SAP NetWeaver-fähigen Releases“ arbeiten. Ein Releasewechsel auf SAP ECC ist daher also der nächste logische Schritt, um die geeignete Basis für SAP NetWeaver zu schaffen.

Welche Vor- und Nachteile weist SAP NetWeaver gegenüber anderen Integrationsplattformen wie beispielsweise „WebSphere“ auf?
Viele große Hersteller haben sich dem Thema SOA bereits angenommen.
Ich persönlich halte die SAP für den Player mit den meisten Chancen im Zukunftsmarkt. Aufgrund ihrer Kernkompetenz im Bereich der Business-Prozesse bringt die SAP die optimalen Voraussetzungen dafür mit.
IBM stellt mit WebSphere ausschließlich eine Technologie-Plattform zur Verfügung. Die SAP hingegen bietet mit ESA eine Integrations-Plattform, bestehend aus Technologie und Business-Anwendungen. Das ist ganz klar der Vorteil, den ESA, bzw. SAP NetWeaver bietet.

Wie beurteilen Sie den Wandel zur prozessorientierten Sichtweise in Unternehmen? Welche Veränderungen ergeben sich dadurch für die Unternehmen einerseits und für die gesamte IT-Welt andererseits?
Früher wurden Projekte horizontal betrachtet und durchgeführt, heute steht die vertikale Betrachtungsweise im Mittelpunkt.
Unter der horizontalen Betrachtungsweise verstehen wir das traditionelle Vorgehen in SAP Projekten. Dieses war dadurch geprägt, dass jede Ebene, vom Prozess über die Module bis hin zur Architektur, separat betrachtet wurde.
Dies wird sich mit SAP NetWeaver entscheidend verändern. Projekte müssen vertikal angegangen werden. Dies impliziert eine Betrachtungsweise der Projekte über alle Ebenen hinweg.
Für die IT-Abteilungen bedeutet diese Veränderung, dass SAP NetWeaver-Projekte unter Beachtung aller Unternehmens-Strukturen durchgeführt werden. Dadurch verwischen die Grenzen unter den einzelnen Fachabteilungen.
Auch Beratungshäuser müssen umdenken: die SAP NetWeaver-zentrierte Umsetzung der Projekte steht nun im Mittelpunkt. Die Berater sollten sich in Richtung Integrationskompetenz neu orientieren und breites Wissen aufbauen.

Was genau bedeutet dieser Wandel für IT-Projekte?
Durch diesen Wandel ändert sich natürlich auch die Herangehensweise an IT-Projekte.
Wir haben hierauf bereits reagiert und einen neuen Beratungsansatz entwickelt. Bei diesem stehen bestimmte Teilprozesse im Mittelpunkt, die sich mit SAP NetWeaver besser umsetzen lassen, als mit den traditionellen SAP Technologien. Wir nennen diese Projekte „SAP NetWeaver-optimierbare Business Cases“.
Aufgrund unserer Erfahrung können wir sagen, dass die Identifikation dieser Business Cases ein wesentlicher Punkt für eine erfolgreiche Nutzung von SAP NetWeaver ist.
Für Unternehmen bedeutet diese prozessorientierte Sichtweise, dass die unternehmensweite Zusammenarbeit in den Mittelpunkt rückt. Dieser Schritt ist auch notwendig, um die SAP NetWeaver-optimierbaren Business Cases sicher identifizieren zu können. Das bedeutet auch, dass die IT-Abteilung und der jeweilige Fachbereich eng zusammenarbeiten müssen.
Aus den SAP NetWeaver-optimierbaren Business Cases ergeben sich viele Vorteile für Unternehmen. Dazu zählt der schnelle Return on Investment und geringes Investitionsrisiko. Zudem können Unternehmen flexibler auf neue Business-Anforderungen reagieren und sich somit Wettbewerbsvorteile sichern. Diese Punkte sind außerdem überzeugende Argumente für neue IT-Investitionen.

Die Fachabteilung rückt mehr und mehr in den Mittelpunkt des Unternehmens. Welche Rolle spielen hierbei die neuen Anwendungen wie beispielsweise „Duet“?
Duet, das neue Produkt von SAP und Microsoft ist ein Beispiel für People Integration. Durch das neue Produkt kann die SAP – bisher unerreichte – Zielgruppen erschließen. SAP öffnet damit ihre Systeme für neue und größere Gruppen von SAP-Anwendern. Dadurch haben diese eine bessere Informationslage und können schneller und kompetenter auf Business-Anforderungen reagieren.
Ein sicherlich nicht ganz unbeabsichtigter Nebeneffekt für die SAP ist, dass sie sich dadurch noch stärker in der IT-Strategie eines Unternehmens verankert.

Sind mittelständische Unternehmen überhaupt in der Lage, dem Trend zu ESA, SOA und Prozessmanagement zu folgen oder sind sie dadurch überfordert?
Gerade diese haben das Bedürfnis, schnell auf Veränderungen im Markt reagieren zu können, was mit SAP NW jetzt möglich ist. Flexibilität und die Fähigkeit sich schnell an neue Gegebenheiten anpassen zu können, sind in diesem Marktsegment entscheidende Wettbewerbsvorteile.
Ein gutes Beispiel dafür ist ein SAP NetWeaver Portal-Projekt bei Hugo Boss, das wir gerade gemeinsam mit der SAP abgeschlossen haben.

Wie würden Sie den Businessnutzen von SAP NetWeaver für Hugo Boss beschreiben?
Die Vorteile, die sich durch das neue Händlerportal ergeben, sind enorm.
Die wichtigsten sind komfortable Bestell- und Informationsprozesse über das Internet, ein 24x7-Service-Level für Bestellungen und die Reduzierung manueller Arbeit bei der Bearbeitung von Bestellungen. Weiterhin erschließen sich neue Marketing-Möglichkeiten, wie beispielsweise personalisierte Print-Materialien und Web-Trainings, die sich durch WebServices ergeben. Letztendlich führen solche Optimierungsmaßnahmen zu sichtbaren Wettbewerbsvorteilen für das Unternehmen.