Von Jörn Haase, REALTECH AG
Geht es um die Analyse unternehmensrelevanter Daten, sind für die Fachabteilungen vor allem drei Faktoren bedeutsam: Prozessperformanz sowie Aktualität und Richtigkeit der Daten. Mit den bisherigen SAP Business Information Warehouse (SAP BW)-Versionen konnten diese Anforderungen architekturbedingt nur schwer oder eingeschränkt erfüllt werden. Seit Juni 2006 gibt es nun eine neue SAP BW-Version: SAP Business Intelligence 7.0 (SAP BI) als Bestandteil von SAP NetWeaver 2004s, der Basis aller aktuellen SAP-Produkte und der Enterprise Service-Oriented Architecture (Enterprise SOA) der SAP. Um das Leistungspotenzial dieser neuen Version optimal zu erschließen, sollte der Releasewechsel gut vorbereitet sein.
Schon der Namenswechsel von SAP BW auf SAP BI lässt auf grundsätzliche Änderungen am Software-Produkt schließen – die zugleich Herausforderungen darstellen. Vor allem Nutzern älterer SAP BW-Versionen (3.0B, 3.1C) stellt sich die Frage, ob der Wechsel auf das neue Release direkt oder über einen Zwischenschritt auf das seit 2004 verfügbare SAP BW 3.50 erfolgen soll. Die Entscheidung drängt, da die Wartung für SAP BW 3.0B und BW 3.1C am 31.Dezember dieses Jahres ausläuft und eine Erweiterung unnötige Gebühren verursachen würde.
Wichtige Entscheidungshilfen
Bei der Entscheidung helfen den IT-Verantwortlichen und Fachbereichen folgende Fragen: Welche Neuerungen kommen mit SAP BI 7.0 auf die Unternehmen zu? Welchen Nutzen bringt das neue Release den Fachabteilungen? Welche Analysemöglichkeiten bietet SAP BI 7.0? Welchen Unternehmen empfiehlt sich der Wechsel auf SAP BW 3.50 als Bestandteil von SAP NetWeaver 2004?
Da SAP BI 7.0 mit einer Fülle neuer Funktionen und Möglichkeiten lockt, erscheint ein (Zwischen-) Schritt auf SAP BW 3.50 auf den ersten Blick als nicht sinnvoll. Jedoch gilt zu beachten, dass sich die Fachabteilungen mit der neuen Architektur vertraut machen und in die neuen Funktionen einarbeiten müssen. Bei einem Wechsel auf SAP BW 3.50 hingegen ist der Schulungsaufwand vernachlässigbar gering. Ein wichtiger Schritt vor einem Releasewechsel ist also die Abwägung der tatsächlich benötigten Funktionen gegenüber dem zu erwartenden Zeit- und Kostenaufwand.
Kurz zusammengefasst, ändert sich bei SAP BI 7.0 eigentlich alles – angefangen von der kompletten Überarbeitung der SAP BI-Datenflüsse über das neue Berechtigungskonzept bis hin zur Integration der Planungskomponente (ehemals SAP Strategic Enterprise Management – Business Planning and Simulation, SEM-BPS, oder SAP Business Information Warehouse – Business Planning and Simulation, BW-BPS). Des Weiteren setzen die neuen SAP BI-Frontend-Funktionen die Portaltechnologie der SAP voraus. Da es zu umfangreich wäre, alle Neuerungen aufzuzählen, werden exemplarisch die Innovationen im Bereich der Datenanalyse vorgestellt.
Optimale Prozesse
Eine wesentliche Rolle für die Akzeptanz der Anwender spielt die Leistungsfähigkeit eines SAP BI-Prozesses, die von zwei Faktoren abhängig ist: Zum einen die Schnelligkeit des Prozesses, vom Bereitstellen der Daten bis zur Analyse; zum anderen sein optimales Design, bei dem die Durchgängigkeit eine wichtige Rolle spielt – möglichst ohne signifikante Medienbrüche. Dieser Aspekt folgt dem aktuellen Trend, die Analysefunktionen mit der Möglichkeit zu verknüpfen, auf Basis der getätigten Analysen aus derselben Oberfläche heraus Aktionen im operativen System auszuführen.
Bei SAP heißen solche systemübergreifenden Funktionen Composite Applications oder auch xApps. Für SAP BI 7.0 werden diese als SAP xApps Analytics bereitgestellt. Sie können mit dem Visual Composer modelliert werden, eine der augenfälligsten Neuerungen im Bereich der Präsentationsmöglichkeiten. Mit SAP xApps Analytics ist es erstmals möglich, SAP BI-Auswertungen mit operativen Anwendungen zu verknüpfen, die sich direkt im angebundenen ERP-System auswirken.
Eine weitere wesentliche Neuerung von SAP BI 7.0 ist die integrierte Planung, SAP BI Integrated Planning. Die Planungsfunktion (SEM-BPS) war bereits in SAP BW 3.50 als BW-BPS Bestandteil und ist nun komplett in SAP BI 7.0 integriert. Wer die Planungsfunktion von SAP BI erstmals nutzen möchte, sollte dies direkt mit SAP BI 7.0 tun, da BW-BPS zwar weiterhin unterstützt, aber nicht mehr um neue Funktionen erweitert wird. Zudem wird SAP keine weiteren Werkzeuge zur Verfügung stellen, mit denen SAP BW-BPS in die integrierte Planung von SAP BI 7.0 migriert werden kann. Es empfiehlt sich also, direkt mit der Planung in SAP BI 7.0 zu beginnen, um sich eine Menge „Handarbeit“ zu ersparen.
Vieles hat sich auch im Bereich der Enterprise Data Warehouse-Funktionen von SAP BI 7.0 getan. Dabei geht es um die Aktualität der Daten und die Möglichkeit, aktuelle Daten möglichst schnell aus den angeschlossenen Quellsystemen in das SAP BI-System zu laden. Diese können dort mit hoher Abfrageperformanz analysiert werden. Folgt man dem Datenfluss in ein SAP BI 7.0-System, so fällt in der neu strukturierten Data Warehousing Workbench (zuvor Administrator Workbench) auf, dass bei der Modellierung eine Vereinheitlichung von Übertragungs- und Fortschreibungsregeln zu Transformationsregeln erfolgt ist: Dadurch können die Regeln zentral bearbeitet werden.
Ladeprozesse werden nun vollständig durch Prozessketten abgebildet. Die Datenextraktion wird wie gehabt über InfoPackages gesteuert, jedoch werden die Daten nur noch in der Persistant Staging Area (PSA) abgelegt. Die weitere Verarbeitung der Daten in die Datenziele (InfoProvider) erfolgt nun über neu strukturierte und wesentlich leistungsfähigere Data Transfer-Prozesse. Dadurch können die Daten nahezu in Echtzeit bereitgestellt werden (Realtime Data Acquisition).
Beim Aufbau einer historischen Datenbasis, als Voraussetzung für die Auswahl der richtigen Daten, folgt SAP BI 7.0 den Konzepten des Enterprise Data Warehouse von Bill Inmon („The Corporate Information Factory“). Es bietet nun einfache Möglichkeiten, verschiedene Schichten („Layer“) für die Datenanalyse zu modellieren. Die Anwender werden durch die so genannten schreiboptimierten Data Store Objekte (Nachfolger der ODS-Objekte) unterstützt.
Einen weiteren Vorteil von SAP BI 7.0 stellt die Remodelling Toolbox dar. Es ist erstmals möglich, einen InfoCube nachträglich in seiner Struktur zu verändern, ohne den Cube neu aufzubauen. Damit kann die Fachabteilung auch nachträglich auf geänderte Anforderungen in der Datenanalyse reagieren.
Die Prozess-Performance einer Datenanalyse war bei den bisherigen SAP BW-Versionen problematisch: Die Möglichkeiten, Abfragen über Aggregate zu beschleunigen, waren nach einer gewissen Zeit erschöpft. Dies trat ein, wenn der Verwaltungsaufwand zu hoch wurde und die Daten nicht mehr rechtzeitig bereitgestellt werden konnten.
SAP BI 7.0 stellt eine sehr gute Alternative zur Steigerung der Query-Performanz zur Verfügung: den SAP BI Accelerator. Mit dieser zusätzlichen Hardware-Komponente können Verbesserungen in der Laufzeit von Queries um das Zehn- bis Hundertfache erzielt werden. Mit Hilfe des SAP BI Accelerators ist nun sogar die Analyse von Massendaten möglich, wie Tests auf der Basis von zwei Milliarden Datensätzen eines InfoProviders gezeigt haben. Realisiert werden diese Geschwindigkeitsvorteile durch Nutzung zusätzlicher Blade Server als Basis für eine modifizierte Version der SAP Search Engine (TREX).
Essenzielle Punkte
Die zahlreichen neuen und verbesserten Ansätze und Funktionen von SAP BI 7.0 kommen vor allem den Bedürfnissen der Fachabteilungen nach einer wirksamen Datenanalyse entgegen. Wer einen Releasewechsel erwägt, sollte sich allerdings einige essenzielle Punkte vor Augen führen. Da SAP BI 7.0 erst seit kurzer Zeit zur Verfügung steht, könnten Probleme bei den neuen Funktionen auftreten. Der Releasewechsel selbst ist in jedem Fall unproblematisch, so dass Funktionen aus dem alten Release auch im neuen Release funktionieren werden. Dies ist auch für die Datenanalyse wichtig: Nach dem Releasewechsel können alle Funktionen von SAP BW 3.x weiterhin genutzt werden. Eine Umstellung auf die neuen Funktionen von SAP BI 7.0 kann gezielt und in kleinen Schritten erfolgen.
Allerdings gibt es einige Bedingungen für die Nutzung der Frontend-Komponenten, die es zu beachten gilt. So wird für den Business Explorer nur Excel 2002 oder 2003 unterstützt und der SAP GUI 6.40 Compilation 4 vorausgesetzt. Diese Anforderungen müssen sich nahtlos in eine unternehmensweite Office- oder GUI-Strategie einfügen. Ansonsten muss vor dem eigentlichen Releasewechsel-Projekt zunächst ein Versionswechsel für Office- und/oder der SAP GUI erfolgen.
Auch im Bereich der Architektur von SAP BI 7.0 kommen einige Neuerungen auf die Unternehmen zu. Die wohl entscheidendste ist, dass mit SAP NetWeaver 2004s die Komponenten ABAP und JAVA untrennbar zusammengehören: Alle neuen Frontend-Funktionen von SAP BI 7.0 sind javabasiert und benötigen die Runtime des SAP Enterprise Portals 7.0.
Wie also? – Ein Fazit
Nach Abwägung aller Für und Wider: Der Wechsel auf das neue Release SAP BI 7.0 ist empfehlenswert – besonders für Unternehmen, die noch auf Version BW 3.0B oder 3.1C arbeiten. Es ist davon auszugehen, dass die Fachabteilungen früher oder später die neuen Features nutzen möchten. Dies würde bedeuten, dass der Wechsel auf SAP NetWeaver 2004 (SAP BW 3.50) nur einen Zwischenschritt darstellt, der zusätzliche Arbeit mit sich bringt.
Der Wechsel muss allerdings gut geplant werden, um die Bedingungen erfüllen zu können, die das neue Release stellt. Der Walldorfer SAP-Technologieberater REALTECH empfiehlt den Releasewechsel in zwei Schritten: Zuerst sollte der technische Upgrade durchgeführt werden, um dann die alten Funktionen weiterhin „im neuen Gewand“ zu nutzen. Anschließend erfolgt die sukzessive Umstellung auf die neuen Funktionen. Wichtig ist in jedem Fall, dass der Releasewechsel von Anfang an gut geplant wird und ausreichend Zeit für den Funktionstest zur Verfügung steht.



