Von Dr. Armin Elbert, REALTECH
Unternehmen verfolgen mit dem Supply Chain Management (SCM) das Ziel, übergreifende Prozesse entlang ihrer Wertschöpfungskette zu analysieren und Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Diese Vorteile beziehen sich im Wesentlichen auf die Reduktion der Kosten und die Verbesserung der Lieferantenbeziehungen.
SAP NetWeaver bietet Lösungen, spezifische Teilprozesse oder Business Cases einfacher, schneller und flexibler umzusetzen, als dies bislang möglich war. Diese Anwendungsfälle zeichnen sich dadurch aus, dass sie sichtbaren Business-Nutzen bringen und branchen- bzw. anwendungstypische Anforderungen erfüllen. So können Unternehmen beispielsweise mit Hilfe eines optimierten Lieferantenmanagements auf Basis von SAP NetWeaver Kosten reduzieren und ungenutzte Ertragspotenziale erschließen.
Business Case: Lieferantenmanagement
Ein wichtiger Teil des Supply Chain Management ist das Lieferantenmanagement und damit auch die Ausgestaltung der Lieferbeziehungen. Hierbei besteht die Aufgabe für Unternehmen darin, alle Schritte von der Identifikation potentieller Lieferanten über die Bewertung bis hin zur Kontrolle und zum Steuern der Abwicklung zu koordinieren.
Mit SAP NetWeaver eröffnen sich neue Wege zur Verbesserung des Lieferantenmangements und der Beschaffungsprozesse.
Folgende Schritte zeigen, wie der Optimierungsprozess für das Lieferantenmanagement auf Basis von SAP NetWeaver vonstatten gehen kann.
1. Identifikation der Lieferantenbasis
In der ersten Phase wird eine Lieferantenbasis erstellt, die zur Segmentierung des Lieferantenportfolios dient. Ausgehend von einem konkreten Bedarf gilt es im Rahmen der Identifikation, die Lieferanten herauszufinden, welche das benötigte Beschaffungsobjekt anbieten. In vielen Fällen bestehen bereits langfristige Lieferantenbeziehungen, sodass die Verantwortlichen auf ein bestehendes Lieferantenportfolio zurückgreifen können. Optimierungspotenzial besteht nun darin, die Anzahl der Lieferanten eines Produktes zu reduzieren bzw. die Zulieferer herauszufinden, die zu einer Unternehmensgruppe gehören. Hierbei kommt SAP NetWeaver Business Intelligence zum Einsatz. Ein Datenprovider liefert so genannte D-U-N-S-Nummern (Data Universal Numbering System) über die Lieferanten. Diese Nummern besitzen Strukturinformationen über Konzerne, die „Family Trees“, sowie Unternehmensstammbäume und geben damit Auskunft über Muttergesellschaft, Tochtergesellschaft, Hauptsitz und Niederlassungen von Unternehmen. Auf Basis dieser Informationen können Unternehmen ihre Lieferantenstammdaten konsolidieren.
Mithilfe von SAP NetWeaver Business Intelligence (SAP BI) erschließt sich für den Einkäufer eine bessere Ausgangssituation bei künftigen Vertragsverhandlungen, da er nun durch die Identifizierung von Unternehmensstrukturen das Auftragsvolumen seiner Lieferanten über SAP BI einfach überblicken und entsprechend optimieren kann.
2. Lieferantenbewertung und -analyse
Bei der Lieferantenbewertung und -analyse erfolgt eine Querschnittsbetrachtung der wirtschaftlichen, ökologischen und technischen Leistungsfähigkeit der Lieferanten. Ziel ist es, die besten Lieferanten auszuwählen. Im ersten Schritt müssen die Verantwortlichen die Bewertungskriterien und -prozesse festlegen, die für eine Entscheidung aussagekräftige Ergebnisse liefern können. SAP NetWeaver Business Intelligence kann hierbei verschiedene Kennzahlensysteme über Bestellungen, Bestätigungen, Lieferungen, Qualität und Rechnung generieren. Mit diesen Informationen sind Unternehmen in der Lage, Lieferanten einzeln zu bewerten und untereinander zu vergleichen. Somit lässt sich auf schnelle und einfache Weise die Leistung und Qualität der Lieferanten einschätzen. Unternehmen können diese Bewertung auch ihren Lieferanten über ein Supply Chain Portal zur Verfügung stellen und ihnen damit eine Qualitätsbewertung ihrer gelieferten Produkte und Rohstoffe zugängig machen.
3. Lieferantenentwicklung und -integration
Aufbauend auf den ersten beiden Phasen zielt die Lieferantenentwicklung und -integration darauf ab, das Leistungspotenzial sowie die Leistungsfähigkeit der Lieferanten sicherzustellen und zu erhöhen. Dabei steht die Stärkung der Lieferantenbeziehung im Fokus. Unternehmen übertragen in diesem Fall Aufgaben an den Lieferanten, wie z.B. die Bestandsführung und binden sie frühzeitig in Prozesse mit ein. Unterstützt wird diese Integration über ein Supply Chain Portal auf Basis von SAP Enterprise Portal, indem der Lieferant Zugriff auf die von ihm gelieferten Materialbestände erhält. Dadurch ist der Zulieferer für die Just-in-time-Beschaffung verantwortlich, was ihn zu einem strategischen Wertschöpfungspartner macht.
4. Lieferantencontrolling und -auditierung
In der letzten Phase geht es um das Lieferantencontrolling und die -auditierung. Hauptaufgabe hierbei ist die Wareneingangsprüfung und die Überwachung der Zielerreichung aller Aktivitäten der Dienstleister. Eine weitere Aufgabe besteht darin, spezifische Informationen der Zulieferer zu sammeln und bereitzustellen. Auf diese Weise wird eine Informationsbasis für künftige Auswahlentscheidungen aufgebaut. Zum besseren Überblick können die Einkäufer alle wichtigen Daten über ein so genanntes Lieferantencockpit – auf Basis des SAP Enterprise Portals – abrufen.
Ziel für Untenehmen sollte es sein, die Leistungsstruktur ihres Lieferantenstammes fortwährend zu optimieren und an sich stets ändernde Bedingungen anzupassen. Daraus ergibt sich aber auch die Notwendigkeit, die Leistungsfähigkeit der Zulieferer durch gezielte Maßnahmen zu steuern. Um den gewünschten Erfolg herbeizuführen, ist das Unternehmen auf die Kooperation der Lieferanten und auf deren Akzeptanz hinsichtlich der Leistungsanforderungen angewiesen. Daher sollten den Lieferanten die Kriterien und Verfahren der Bewertung bekannt sein. Neben seinen eigenen Kennzahlen erhält jeder Partner auch die Ergebnisse seines Wettbewerbs. Ermöglicht wird diese Funktion über das SAP NetWeaver Enterprise Portal, welches mit einem entsprechenden Berechtigungskonzept arbeitet.
Kommunikation mit den Lieferanten verbessern
Die zentrale Kommunikationsplattform beim Lieferantenmanagement bildet das SAP Enterprise Portal in Form einer benutzerfreundlichen Web-Oberfläche. Durch die Konsolidierung von Schnittstellen und Informationen werden Abläufe automatisiert und durchgängig überwacht. Der Prozess der Informationsbeschaffung wird dadurch optimiert.
Durch den Einsatz des SAP Enterprise Portals fallen Medienbrüche weg und die Beschaffung von Materialien und Produkten erfolgt weitgehend automatisiert. Unternehmen erreichen eine Zeit- und Kostenoptimierung indem Lieferanten die Möglichkeit erhalten, aktiv im Beschaffungsprozess mitzuarbeiten.
Fazit
Bei der Optimierung des Lieferantenmanagements ist es wichtig, im ersten Schritt die entsprechenden Teilprozesse zu definieren und im Anschluss daran den konkreten Nutzen für das Unternehmen aufzuzeigen. Durch eine Machbarkeitsanalyse können Unternehmen klare Aussagen zu Return on Investment (ROI) und Total Cost of Ownership (TCO) treffen.
Da es sich bei der Optimierung um die Veränderung einzelner Teilprozesse handelt, bleiben das Risiko und die Kosten des Projekts überschaubar. Bereits nach kurzer Zeit ist ein Business Case mit messbaren Kriterien darstellbar. Damit bildet das Projekt eine verständliche Grundlage für das Management, den Nutzen von SAP NetWeaver zu bewerten und anschließend weitere Investitionsentscheidungen zu treffen.
SAP NetWeaver versetzt Unternehmen in die Lage einen Teilprozess ihrer Beschaffung zu analysieren und zu optimieren. Auf diese Weise können sie bisher noch unerkannte Ertragspotenziale nutzen und die Lieferantenbeziehungen mit den „richtigen“ Lieferanten vertiefen.
Aus diesem Grund wird SAP NetWeaver zukünftig bei firmenübergreifender Zusammenarbeit und bei Prozessoptimierung eine entscheidende Rolle spielen.



