Von Chris Kohlsdorf, REALTECH AG
Lange Zeit hatte der viel zitierte Spruch „Stillstand ist Rückschritt“ in der SAP-Beraterbranche kaum Gewicht. Die Weiterentwicklungen und fundamentalen Innovationen der SAP hielten sich in überschaubaren Grenzen und – sein Wissen Up-To-Date zu halten war für einen SAP Berater eine lösbare Aufgabe. Doch nun heißt es für Berater, verstärkt auf das Gaspedal zu drücken. Denn in den vergangenen drei Jahren hat sich die Situation grundlegend geändert.
Die SAP hat ihre Strategie vollständig überarbeitet – und damit auch ihr Software- und Lösungs-Portfolio. Der Fokus liegt nun auf der Schaffung einer serviceorientierten Architektur – die heute ESOA (Enterprise Service Oriented Architecture) heißt. Und mit den Möglichkeiten der Middleware „SAP NetWeaver“ eröffnen sich neue Wege, was die Flexibilisierung und Abbildung von Business-Prozessen betrifft.
Für SAP-Berater bedeutet diese Neuausrichtung, dass sie sich immer wieder anpassen und dazulernen müssen. Vorhandenes Wissen verliert unter Umständen an Wert. Die Folge sind hohe Investitionen in Aus-, Fort- und Weiterbildung. Nur wenige Beratungshäuser haben diese Entwicklung rechtzeitig erkannt. Doch viele Unternehmen sind nicht bereit, in die Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter in ausreichendem Maße zu investieren – selbst wenn sie dazu über die nötigen Mittel verfügen. Die Konsequenzen können dramatisch sein. Unter Umständen ist die mehrjährige SAP-Berufserfahrung eines Beraters in kurzer Zeit – überspitzt formuliert – nur noch die Hälfte wert.
Für SAP-Berater – und damit auch für alle Unternehmen in der Consulting-Branche – bedeutet dies: Wer jetzt noch ausschließlich auf seine Erfahrungen in den „klassischen“ SAP-Komponenten baut, droht mit seinem Wissen in die Sackgasse zu geraten. Dagegen befindet sich derjenige auf der Überholspur, der sein Wissen entsprechend den neuen Anforderungen der SAP Strategie erweitert.
Aufgrund der Tatsache, dass SAP NetWeaver und ESOA Projekte bei SAP Kunden lange ausgeblieben sind, war die Problematik vielen Beratungsunternehmen nicht präsent.: Es gab nur wenige Kunden, die echten Gebrauch von diesen innovativen Technologien – und den damit verbundenen Lösungsmöglichkeiten – machten. Die Technik um der Technik willen anschaffen? Dies konnte sich keiner leisten. Letztlich muss es für Anwender-Unternehmen um die zentrale Frage gehen: Welchen Nutzen bietet mir SAP NetWeaver?
REALTECH hat diesen Trend frühzeitig erkannt und darauf mit Mitarbeiter-Qualifikationsprogrammen reagiert – aktuell mit STEP-IN, einem Programm sowohl für erfahrene Berater als auch für Berufseinsteiger. Ziel der Initiative: die praxisorientierte Ausbildung der Mitarbeiter zum qualifizierten SAP NetWeaver-Berater.
Vorfahrt für SAP NetWeaver-Projekte
Analysten bestätigen, was unsere Erfahrungen im Markt zeigen: Projekte, die sich auf SAP NetWeaver konzentrieren, haben bereits signifikant zugenommen. Sie werden den Markt im SAP-Beratungsumfeld künftig dominieren. So macht REALTECH bereits heute 40 Prozent seines Beratungsumsatzes in diesem Umfeld. Dabei steht die vertikale Integration von Geschäftsprozessen oder einzelner abgegrenzter Business-Cases im Vordergrund. Diese Abläufe verlangen eine Betrachtung des Projektes über alle Ebenen hinweg: von Prozessen, Systemen, SAP NetWeaver-Komponenten und -Technologien.
Aktuelle Anwendungsfälle mit SAP NetWeaver sind
• Optimiertes Lieferantenmanagement mit einem Portal oder einer Anbindung der Systeme über die SAP NetWeaver Exchange Infrastructure
• Data-Management und -Collaboration mit dem SAP NetWeaver Enterprise Portal und dem SAP Knowledge Warehouse
• Informationsportale für Mitarbeiter
• Steuerungsinformationen für das Management mit dem neuen SAP NetWeaver Business Intelligence 7.0
Die neuen SAP Projektarten erfordern von den beteiligten Beratern wesentlich höhere Kompetenzen im fachlichen, methodischen und sozialen Bereich. Nur einen dieser drei Bereiche zu beherrschen, reicht nicht mehr aus – es kommt vielmehr darauf an, in allen drei Disziplinen Qualifikationen zu besitzen um erfolgreich beraten zu können.
Die enge Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten – aus Fachbereich, Anwendungsentwicklung und IT-Abteilung – wird zunehmend zum kritischen Erfolgsfaktor für SAP-Projekte. Plötzlich sieht sich der IT-Ingenieur damit konfrontiert, sich mit Geschäftprozessen auseinandersetzen zu müssen – und der Prozessberater hinterfragt die passenden Technologien, die den Prozess ideal unterstützen.
Was macht also den erfolgreichen SAP-Berater der Zukunft aus? Die Schlüsselfaktoren sind Flexibilität, unternehmerisches Denken und ständige Lernbereitschaft – und damit verbunden eine gehörige Portion Eigenverantwortung.
Wohin geht der Markt?
Diesen neuen Herausforderungen hat sich REALTECH bereits vor drei Jahren angenommen, als absehbar war, wohin sich der Markt entwickeln würde. Schon damals entschied sich das SAP-Beratungshaus, frühzeitig in die Qualifikation von Mitarbeitern zu investieren. Heute sind fast drei Viertel aller REALTECH-Berater SAP NetWeaver-zertifiziert. Dafür gab das Unternehmen allein im Jahr 2005 rund 700.000 Euro aus, das sind 10.000 Euro pro Mitarbeiter. Eine Investition in die Zukunft, die auch mit der „Special Expertise Partnership SAP NetWeaver“ der SAP honoriert wurde.
Nach wie vor ist es für Unternehmen wie REALTECH nicht schwer, gute SAP R/3 Berater zu finden. Die Suche nach dem „Berater der Zukunft“ gestaltet sich jedoch ungleich schwerer. Daher hat sich REALTECH entschlossen, weiter konsequent in Aus- und Weiterbildung zu investieren. Dies setzt sich 2007 mit einer neuen Qualifikationsoffensive fort: dem mehrwöchigen Qualifikationsprogramm „STEP-IN“.
Das Programm, das sich sowohl an erfahrene SAP-Berater als auch an IT-Consultants ohne entsprechende SAP Vorkenntnisse sowie an Berufseinsteiger wendet, verfolgt ein ehrgeiziges Ziel. Die Kandidaten sollen fit gemacht werden für die SAP-Beratungsprojekte der Zukunft. Berufsbegleitende Qualifikationsprogramme sorgen darüber hinaus dafür, dass erworbenes Wissen nicht wieder an Wert verliert, sondern kontinuierlich ausgebaut wird.
STEP-IN wird im laufenden Kalenderjahr zweimal durchgeführt, die Starttermine sind Mitte Mai und Anfang Juli. Das Programm gliedert sich in mehrere Blöcke: Im ersten Schritt werden die Teilnehmer in Themen wie der SAP-Strategie, den SAP-Komponenten, der darauf abgestimmten REALTECH-Strategie und dem REALTECH 4-Phasenmodell zum kontrollierten Einstieg der Kunden in die SAP NetWeaver Welt geschult. Zudem befasst sich die Ausbildung mit der REALTECH-Projektmethodik zur Realisierung von SAP NetWeaver-Projekten.
SAP-Berater, Version 2.0
Entsprechend der individuellen Interessen und dem fachlichem Know-how werden die Teilnehmer im zweiten Schritt in kleinere Gruppen eingeteilt. In weiterführenden Kursen werden sie dann intensiv in ihrem zukünftigen fachlichen Schwerpunkt ausgebildet. So decken die zukünftigen SAP NetWeaver-Berater alle Bereiche rund um die SAP-Themen der Zukunft ab; und zwar von SAP-Technologie über die Optimierung von Business-Cases mit SAP NetWeaver bis hin zu Reporting mit SAP NetWeaver Business Intelligence 7.0. Im Bereich SAP Development bildet REALTECH Entwickler unter anderem in den Themen SAP NetWeaver Development Infrastructure (NWDI), WebDynpro oder Visual Composer aus.
Flankiert werden diese Fachlehrgänge von Trainings, die der Stärkung der Methoden- und Sozialkompetenz dienen. Hier sind neben Problemlösungsstrategien und Projektmanagement auch Präsentations- und Workshop-Techniken zu nennen. Nach abgeschlossenem Qualifikationsprogramm geht es im dritten Schritt nahtlos in die Projekte – entweder schon als eigenverantwortlicher Berater oder zusammen mit einem erfahrenen Kollegen.
Zusätzlich zur Tatsache, dass mit einem eigenen Qualifikationsprogramm das zu vermittelnde Wissen individuell an die Unternehmensstrategie – und die daraus resultierenden Anforderungen – angepasst werden kann, sieht REALTECH einen weiteren signifikanten Vorteil in einem solchen Programm: Die Teilnehmer arbeiten von Anfang an in einem Team zusammen und lernen gemeinsam die internen Strukturen, Werte und das Netzwerk im Unternehmen kennen. Dies trägt maßgeblich zur Identifikation mit dem Unternehmen bei, die im späteren Beraterleben von großer Bedeutung ist.
Eines ist sicher: Der Bedarf am „SAP-Berater der neuen Generation“ wird in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Nur wer rechtzeitig auf die richtigen Mitarbeiter setzt und es schafft, sie durch attraktive Qualifizierungs-Angebote auch an das eigene Unternehmen zu binden, hat hier dauerhaft Vorfahrt im Markt. Nur so kann ein Unternehmen Marktanteile gewinnen und über dem Marktdurchschnitt wachsen.



