SAP Clean Core bezeichnet eine Strategie, bei der der Standardkern eines SAP-Systems möglichst unverändert bleibt und individuelle Anforderungen über definierte, upgradefähige Mechanismen umgesetzt werden. Dazu gehören standardisierte Prozesse, released APIs, moderne Erweiterungsmodelle wie ABAP Cloud oder Side-by-Side Extensibility auf der SAP Business Technology Platform (BTP) sowie klare Regeln für Daten, Integration und Betrieb.
Für Unternehmen bedeutet das vor allem: weniger technische Schulden, geringere Risiken bei Upgrades und eine stabilere Grundlage für SAP S/4HANA.
Warum gewinnt Clean Core in SAP-Projekten so stark an Bedeutung?
Clean Core ist keine abstrakte Architekturtheorie, sondern eine pragmatische Antwort auf die typischen Probleme gewachsener SAP-Landschaften. In vielen Unternehmen haben sich über Jahre individueller Custom Code, Sonderlogiken und schwer nachvollziehbare Abhängigkeiten angesammelt. Genau hier setzt Clean Core an.
Vorteile: Was SAP Clean Core konkret bringt
Clean Core sorgt nicht nur für „mehr Ordnung“, sondern reduziert ganz konkrete technische und betriebliche Risiken. Der Ansatz macht SAP-Landschaften wartbarer, transparenter und innovationsfähiger.
Die fünf Leitprinzipien von SAP Clean Core
SAP ordnet Clean Core in fünf zentrale Handlungsfelder ein: Prozesse, Erweiterbarkeit, Daten, Integration und Betrieb.
Clean Core schließt Customizing nicht aus
Ein häufiger Irrtum ist, dass Clean Core individuelle Anforderungen ausschließt. Tatsächlich bleibt Customizing wichtig, muss aber strukturiert, kontrolliert und stabil umgesetzt werden. In der Praxis haben sich dafür drei typische Modelle etabliert.
Wie sauber ist Ihre SAP-Landschaft? Das Clean-Core-Level-Modell
Die eigentliche Herausforderung liegt oft nicht in der Strategie selbst, sondern in der Bewertung bestehender und neuer Erweiterungen. Das Clean-Core-Maturity-Modell von SAP hilft dabei, Erweiterungen nach architektonischer Qualität, Upgradefähigkeit und Clean-Core-Konformität einzuordnen.
So wird sichtbar, welche Erweiterungen bereits zukunftsfähig sind, wo Risiken bestehen und an welchen Stellen Modernisierungsbedarf entsteht.
- Level A (vollständig Clean-Core-konform): Erweiterungen mit stabilen, veröffentlichten Schnittstellen, zum Beispiel mit ABAP Cloud oder BTP.
- Level B (weitgehend stabil): Nutzung offiziell dokumentierter, tendenziell upgrade-stabiler APIs.
- Level C (kritisch beobachten): AAbhängigkeiten zu internen Objekten, die für Übergangsphasen akzeptabel sein können, langfristig aber nicht zukunftssicher sind.
- Level D (modernisieren): Modifikationen, direkte Tabellenzugriffe oder implizite Enhancements mit hohem Upgrade-Risiko.
Clean Core umsetzen: Stay Clean und Get Clean
Ein realistischer Clean-Core-Ansatz hat immer zwei Seiten: Bestehende Altlasten müssen schrittweise reduziert werden, während neue Anforderungen von Anfang an standardnah und upgradefähig umgesetzt werden.
Was bedeutet Clean Core für S/4HANA und BTP?
Mit SAP S/4HANA wird Clean Core vom Architekturprinzip zur praktischen Voraussetzung. Denn je stärker Unternehmen auf standardisierte Prozesse, Cloud-Services und kontinuierliche Innovation setzen, desto problematischer werden klassische Modifikationen im SAP-Kern.
Kurz gesagt: Clean Core bedeutet im S/4HANA-Kontext nicht nur weniger Modifikationen, sondern ein neues Betriebsmodell für Erweiterungen: standardnäher, entkoppelter und besser steuerbar.