Experten-Interview

SAP Basis im Dauerfeuer

Wie SAP Basis Teams Change-Druck, Compliance und Stabilität in den Griff bekommen

Ein Gespräch mit Alexander Frei über den Wandel der SAP Basis: zwischen wachsendem Change-Druck, Cloud-Transformation und den Herausforderungen des täglichen Betriebs.

Die steigende Zahl an Anforderungen, erhöhte Change-Frequenz, unter strengeren Audits und Compliance Vorgaben, on top das absehbare Ende des SAP Solution Managers: SAP Basis steht unter massivem Druck.

Im Interview erklärt Alexander Frei, Customer Success Manager bei REALTECH, wie moderne SAP-Teams mithilfe von Automatisierung, klaren Prozessen und den passenden Tools trotz Kostendruck und knapper Ressourcen den Spagat zwischen Tempo und Stabilität in komplexen Systemlandschaften meistern.

Alexander, was sind aus deiner Sicht aktuell die größten Herausforderungen für SAP Basis Teams?

Die meisten Basis Teams kämpfen parallel an mehreren Fronten:

  • Der Workload im Change und Transport Management steigt,
  • Compliance-Anforderungen und Dokumentationspflichten werden strenger,
  • gleichzeitig erwartet das Business faktisch 24/7-Verfügbarkeit.

Dazu kommen große Migrations-, Transitions- und Transformationsprojekte (S/4HANA, BTP, RISE) und der Druck, den Solution Manager und ChaRM zeitnah abzulösen. Die Rolle der Basis verschiebt sich: Weg vom reinen System am Laufen halten”, hin zu einem Key-Asset und somit Enabler für Business-Innovation, unter der Voraussetzung entsprechender Agilität und Reaktionsfähigkeit. Das ist fachlich spannend, aber personell oft schwer unter einen Hut zu bringen.

Innovationsprojekte benötigen die Zuarbeit der SAP Basis heute stärker denn je. 

Genau deshalb brauchen Teams heute Prozesse, auf die sie sich wirklich verlassen können. Damit sie Ressourcen freimachen und internes Wissen, Potenziale und Synergien für die kommenden Herausforderungen nutzen können, ohne dabei zusätzliche Risiken fürs Tagesgeschäft einzugehen.

Du sprichst von drei Fronten. Lass uns mit dem Workload anfangen: Woher kommt der Druck und was hilft wirklich?

Das Business will schneller liefern: neue Prozesse, neue Services, neue Integrationen. Gleichzeitig werden SAP-Landschaften technisch komplexer: On-Premise, S/4HANA, BTP, Non-SAP-SaaS, teilweise mehrere Entwicklungs- und Testlinien.

Solange kritische Transporte manuell über SE10, STMS & Co. angestoßen, dokumentiert und abgestimmt werden, bleibt der Workload hoch, und das Fehlerrisiko auch. SAP liefert mit CTS/gCTS eine solide technische Basis, aber ohne integrierte Prozesse und Automatisierung in Verbindung mit passenden ITSM-Tools bleibt vieles Stückwerk und kostet unnötig Zeit.

Typisch ist: Ein Release umfasst dutzende Transporte über mehrere Linien, und die Abstimmung läuft noch über Mails, Excel und manuelle Checks.

Wie bekommen Teams diesen Workload konkret in den Griff?

Der größte Hebel ist konsequente Standardisierung und Automatisierung. Best Practice aus Projekten ist: Changes zentral in einem führenden ITSM-Tool steuern, Workflows klar definieren und Transporte über spezialisierte Lösungen automatisiert ausrollen.

In der Praxis heißt das: Das ITSM-Tool (z. B. SmartITSM, ServiceNow oder Jira) bleibt die führende Stelle für Tickets und Freigaben. SmartChange übernimmt den kompletten SAP-spezifischen Change- und Transport-Workflow im Hintergrund. Mit der ITSM-Integration behalten ITSM-Teams alle Informationen in ihrem gewohnten System, während die Basis in SmartChange die technische Tiefe und Automatisierung nutzt.

Automatisierung ist nicht „nice to have“ – sie ist die beste Chance, den Alltag in der SAP Basis beherrschbar zu machen

Solche Setups funktionieren besonders gut, wenn ITSM und SAP Transport Management sauber zusammenspielen. SmartChange wird dabei häufig als spezialisierte Schicht genutzt, die SAP-spezifische Workflows und Automatisierung abbildet, während Ticketführung und Freigaben im ITSM-System bleiben. Das reduziert manuelle Eingriffe und schafft Transparenz über den Status von Changes und Transporten in der gesamten Landschaft.

Wenn Standardisierung und Automatisierung greifen, sinkt nicht nur der Workload. Es werden auch weniger Fehler „bis nach Produktion“ durchgereicht. Und genau das ist die Brücke zur nächsten Front: Compliance.

Compliance-Anforderungen steigen stetig – was funktioniert in der Praxis?

Wichtig ist, Compliance direkt in den gesamten Change-Prozess zu integrieren. Das heißt: klare Definitionen von Rollen, Verantwortlichkeiten und Genehmigungsmodellen, technische SoD-Kontrollen sowie abgestimmte Prozesse und Workflows. Entscheidend ist außerdem eine lückenlose Protokollierung jedes Transports und die durchgängige Verbindung von Ticket und SAP-Transportauftrag – bis zur Produktivsetzung und darüber hinaus.

SAP selbst adressiert Compliance-Anforderungen mit Lösungen wie dem Regulatory Change Manager, der regulatorische Änderungen zentral sammelt und analysierbar macht.

In der Praxis zeigt sich, dass Compliance am besten funktioniert, wenn sie in jeden Change integriert ist – statt am Ende „nachgeprüft“ und „eingesammelt“ werden zu müssen.

In unseren Kundenprojekten sehen wir: Wenn Freigaben, Kontrollschritte und Dokumentation automatisiert aus dem Tooling heraus erfolgen, sinkt der Aufwand nicht nur auf Basis-Seite, sondern SAP-IT-übergreifend – spürbar in den Fachbereichen ebenso wie in interner Revision und bei Audits. Kurz gesagt: Compliance wird nicht durch mehr Dokumente besser, sondern durch vereinfachte und automatisierte Nachweisführung, die in die Prozesse integriert ist.

Du hast Verfügbarkeit als dritte Front genannt. Was gefährdet sie heute am stärksten und wie hängt das mit Change-Prozessen zusammen?

Verfügbarkeit wird heute oft durch manuelle Change-Prozesse gefährdet. Auslöser ist meist eine Kombination aus ungesteuerten Changes, Abhängigkeiten zu bereits bestehenden oder laufenden Änderungen – und fehlender Transparenz über Systeme und Produktionsstufen hinweg.

Wenn Teams Transporte und Freigaben noch stark manuell koordinieren, passieren gerade bei hohem Transportaufkommen, kritischen Notfällen oder notwendigem Bugfixing in Produktion typische Dinge: Die Transportreihenfolge stimmt nicht, Abhängigkeiten werden übersehen, benötigte Objekte oder Dependencies fehlen bzw. sind nicht verfügbar, oder die falsche Version wird transportiert. Und aus einem geplanten Change wird plötzlich ein Incident.

Systemverfügbarkeit und ein reibungsloses Daily Business hängen eng an einem sauberen Change-Setup: Standardisierte Workflows, klare Quality Checks sowie Konflikt- und Abhängigkeitsprüfungen reduzieren SAP-Deployment- bzw. transportbedingte Störungen.

Und hier trifft es viele Unternehmen doppelt: Die Governance, die heute Stabilität gibt (Prozess, Transparenz, Nachweise), ist oft über SolMan/ChaRM organisiert. Wenn dieses Fundament künftig wegfällt, muss die Steuerung rechtzeitig neu aufgesetzt werden – sonst steigt das Risiko.

Viele Unternehmen haben das SolMan- und ChaRM-Ende im Nacken. Wie nimmst du das in Gesprächen wahr?

Bei vielen ist das Thema noch eine Art „stiller Stressfaktor“. Man weiß: 2027 ist nicht mehr weit, ChaRM ist tief verankert,und trotzdem fehlt teils noch eine konkrete Roadmap. Häufig liegt das auch an der Erwartung hoher Aufwände, geprägt durch bisherige Erfahrungen mit SolMan und ChaRM, die aktuell neben dringlicheren Themen schwer unterzubringen sind.

Mein Rat ist immer: Nicht warten, bis der Druck von außen kommt, sondern proaktiv planen – entsprechend priorisieren und das Thema nicht weiter zurückstellen. Die Herausforderungen für den SAP-Betrieb und die damit verbundenen Projekte in der nahen Zukunft werden nicht weniger oder leichter. Im Moment stehen wir noch vor der Welle und können uns ausrichten. Wenn sie jedoch über uns hereinbricht, wird es erst richtig brenzlig.

Ein erster, aufwandsarmer Schritt mit SmartChange kann hier bereits spürbar entlasten und notwendige Ressourcen freisetzen. Damit aus „proaktiv planen“ konkrete Schritte werden, empfehle ich, strukturiert wie folgt vorzugehen:

  • Review der bisherigen Prozesse sowie bestehender und neuer Anforderungen
  • Analyse der Pain Points aus der Vergangenheit und möglicher Verbesserungsansätze
  • Definition eines schlanken Ansatzes: Was sind die Minimum Requirements, was ist das gewünschte Optimum – und wie gehen wir diesen Pfad?
  • Saubere Dokumentation der bestehenden Prozesse und Ausarbeitung der Zielprozesse
  • Entscheidung, welches ITSM-Tool künftig führend sein soll, und Auswahl eines Tools, das Migration und Automatisierung unterstützt.

Wer früh startet, kann die Ablösung nutzen, um SAP Change Management auf ein modernes, automatisiertes Niveau zu heben – statt im Zugzwang ChaRM 1:1 nachzubauen.

In unseren Kundenprojekten hat sich SmartChange dabei als starke ChaRM-Alternative bewährt. Wir begleiten die Kunden nicht nur bei der Einführung, sondern auch bei der Extraktion der historischen ChaRM-Daten. Das ist häufig ein entscheidender Punkt, weil Unternehmen die Historie aus Governance- oder Auditgründen nicht verlieren wollen.

Wenn wir über die Zeit nach SolMan & ChaRM sprechen – wie sieht für dich ein modernes Zielbild für SAP Change und Transport Management aus?

Ein modernes Zielbild hat für mich drei Kernelemente:

  1. Geplante, kontrollierte, ggf. kleinere Changes statt großer Big Bangs: Statt alle paar Wochen riesige Transportpakete zu schieben, setzen erfolgreiche Teams auf kleinere, klar abgegrenzte Änderungen mit sauber definierten Quality Checks.
  2. Durchgängig automatisierte Workflows: Von der Anforderung im ITSM-Tool über Risiko- und Konfliktprüfungen bis zur Produktivsetzung sollte möglichst wenig manuell angefasst werden. Manuelle Schritte bleiben dort, wo es um echte Bewertungen geht – nicht beim „Durchklicken“ und Abwickeln von Standardprozessen, die sich einfach  automatisieren lassen.
  3. Hohe Transparenz über alle Landschaften hinweg: Ob On-Premise, S/4HANA, BTP oder RISE – das Team braucht einen zentralen Blick darauf, was gerade wo unterwegs ist, inklusive Status, Risiken und Abhängigkeiten. Das gilt besonders für Cloud-Transporte über SAP Cloud Transport Management (cTMS), die sich ideal in einen durchgängigen Change-Prozess integrieren lassen.

Sind diese drei Punkte umgesetzt, steigt die Geschwindigkeit, aber vor allem auch die Qualität der Changes. Fachbereiche bekommen verlässlichere Releases, Audits laufen strukturierter ab und die Zusammenarbeit zwischen SAP Basis, Entwicklung und ITSM wird deutlich entspannter, weil alle auf derselben Datenbasis arbeiten.

Du hast BTP und RISE schon angesprochen. Was ändert sich durch diese Modelle konkret für die SAP Basis und das Change Management?

Vor allem verschieben sich Rollen und Verantwortungsschnitte. Mit RISE wandern Teile des technischen Betriebs zwar zum Provider, aber Themen wie Governance, Architektur und Change-Prozesse bleiben ganz klar bei der internen IT.

Die BTP bringt zusätzlich neue Freiheitsgrade: Erweiterungen, Integrationen, eigene Services. Für die Basis heißt das:

  • mehr Schnittstellen zwischen On-Premise und Cloud,
  • mehr Security- und Compliance-Fragen,
  • mehr Objekte, deren Lifecycle man im Blick behalten muss.

Parallel kommen mit DevOps-orientierten Ansätzen neue Möglichkeiten ins Spiel, Transporte näher an Softwareentwicklung zu koppeln. Die Teams, die sich hier heute strukturiert aufstellen, haben weniger Stress im Alltag, weil die Grundlagen einfach besser passen.

Kurz gesagt: Hybrid ist Standard. Deshalb muss Change & Transport Management heute „weltenübergreifend“ funktionieren.

Wenn ein Basis Team jetzt sagt: „Wir wollen raus aus dem Feuerwehrmodus“ – wie können sie konkret starten, ohne gleich das ganze Change-Universum umzubauen?

Ich empfehle meist drei pragmatische Schritte:

  1. Ist-Analyse & Prioritäten: Im Team klären, wo der größte Schmerz sitzt – Workload, Compliance oder Verfügbarkeit.
  2. Quick Wins automatisieren: Zuerst die repetitiven Aufgaben anpacken, etwa Standard-Transporte, Protokollierung oder Genehmigungs-Workflows.
  3. Roadmap für Cloud & BTP: Parallel definieren, welche Rolle BTP, RISE und Cloud ALM in der eigenen Landschaft spielen sollen, und welche Kompetenzen SAP Basis dafür aufbauen muss.

Unser Ziel ist immer, Changes im SAP-Umfeld so zu gestalten, dass sie für Teams beherrschbar, transparent und pragmatisch werden – statt als zusätzliche Last im Tagesgeschäft zu landen.

Nächster Schritt: Best Practices live erleben

Wer sehen möchte, wie sich diese Ansätze mit SmartChange in der eigenen Landschaft umsetzen lassen, kann gerne unsere Demo-Optionen nutzen. So wird aus theoretischem Change Management ein konkreter, machbarer Plan für den Alltag in der SAP Basis.

Alexander Frei unterstützt SAP-Teams dabei, Change- und Transportprozesse zu modernisieren. Seine Erfahrung aus Kundenprojekten fließt in praxisnahe Best Practices ein – mit dem Ziel, SAP Change Management transparenter, effizienter und für Teams im Alltag deutlich einfacher zu machen.

Alexander Frei

Customer Success Manager

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